RIGOBERT DITTMANN — Bad Alchemy 24 Feb 2012

Dass PEEPING TOM mit Boperation (umfrcd02) einen Titel von Fats Navarro aufgreifen, ist Programm, alle Stücke stammen aus der Be- und Hardbopära: ‘Cromagnon Nights’, ‘House Party Starting’ und das etwas bedächtigere ‘The Gig’ von Herbie Nichols, ‘Esca­lating’ und ‘Up Jumped the Devil’ von George Wallington, ‘Fantasy in Blue’ von Bud Powell, das markante ‘Mo is On’ von Elmo Hope, ‘Pile Driver/Dodo’s Dance’ als Medley aus Eddie Costa & Dodo Marmarosa, ‘Snakes’ von Jackie McLean’. Wenn Pierre-Antoine Badaroux und Antonin Gerbal, eben noch mit R.Mutt zugange, mit Axel Dörner an der Trompete und Joel Grip am Kontrabass nicht nach dem Nächstliegenden greifen, ist das für den Frische­grad der Musik weniger entscheidend als die forsche, aber einverständige Herangehens–weise dieses Quartetts, das nicht dem Buchstaben, sondern dem Geist der Ära huldigt. Dessen Frische hatte schon John Zorn beim News For Lulu-Trio gereizt, oder zu Projekten angestiftet wie Die Enttäuschung und Monk’s Casino, die Monk vergegenwärtigten, oder Potsa Lotsa, das Dolphy auf die Fahne schrieb. Die Vier sind nicht an Dekonstruktion inte­ressiert, geräuschhafte Neologismen setzen lediglich kleine, reizvolle Akzente. Es geht hier ums Jazzen, um das Springteuflische quicker Improvisation, darum, die Phantasie tanzen zu lassen, ohne intellektuelle Finesse hintan zu stellen. Die beiden Franzosen scheinen wie ausgewechselt, verdeutlichen aber dabei den Dezisionismus ihrer so unter­schiedlichen Ästhetiken. Dörner kann ja auch ganz ‘anders’. Hier scheint dieses ‘Anders’ sich dialektisch zu besinnen auf die Ausgangsthese, die der Abweichung und dem Anti erst den Bezug gibt. Das verliebt züngelnde Miteinander von Trompete und Saxophon gehört zu den erfreulichen Errungenschaften des 20. Jhdts, die flexible Dynamik von Bass und Drums, die Enthierarchisierung und Polyelliptik innerhalb des Vierecks nicht weniger. Der Vollblutbop, den Dörner zuletzt wiehern und Gerbal schon die ganze Zeit in gläsernen Herden über die Cymbals galoppieren lässt, ist jedenfalls immer noch ein Gewinner.

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