Rigobert Dittmann – Bad Alchemy 24 Feb 2014

Der Drummer HANNES LINGENS ist ein einschlägiger Umlautler (siehe oben). Der Gitarrist HANNES BUDER erweist sich als ein langjähriger Spielpartner, der sich solo oder mit dem Shotgun Chamber Trio selber schon einen Namen gemacht hat. [ro] (ub005) zeigt die beiden in improvisatorischer Bewegung. In vier ‘Movements’. Hin­geführt auf die Musik wird man durch ein Zitat von Wsewolod Petrow (1912-1978), der durch seine 2006 erst ins Deutsche übersetzte Novelle ‘Die Manon Lescaut von Turdej’ posthume Aufmerksamkeit auf sich zog. Die beiden Musiker scheint das zeitflüchtige Moment der Erzählung anzusprechen, Sätze wie “Als wäre ich von mir selbst wegge­fahren und hätte angefangen, ein namenloses Leben zu leben.” Zeit erscheint dabei als etwas, das, indem es selber vom Weg abkommt, einen zur Seite lenkt. Als hätte Ablen­kung, eine bewusste Zeitabkehr, mehr für sich, als der Betrieb an die große Glocken hängen möchte. Buder beginnt mit Saitenschlägen, die wie Glocken tönen, twangt wie Bill Orcutt in Zeitlupe, während Lingens die Zeit zermahlt, mit verbeultem Blech dongt und mit Motörchen über Kanten schnurrt. Was für ein Schrottplatzblues, was für ein schöner Kontrast aus Feeling und quietschendem Krach. Helle Schraffuren und brum­mige Drones mischen sich, mit für das jeweilige Instrument randständigem Sound, zu ‘2nd Movement’, wobei Buder auch noch feine Tropfen und wieder schimmernde Glis­sandos einstreut. Beim dritten Anlauf umspielt Lingens zeitvergessenes Picking mit wieder grollendem Donnerblech und schleifenden Klängen, während der vierte an den zweiten anknüpft. Wummernd und schnurrend, Motor (oder Ventilator) und Feedback. Der Motor beginnt an der Leistungsgrenze zu würgen, Bewegungsdrang stößt auf Widerstand, es knarzt und flattert. Und plötzlich dringt doch geharfte Saitenpoesie durch, mit etwas Mühe und mollbeladen, aber doch. Und wenn es noch so knarrt und pfeift, auf dem Boulevard Solitude. [BA 79 rbd]
Rigobert Dittmann
Bad Alchemy

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