Bad Alchemy #69, Rigo Dittmann 24 Feb 2013

Die split LP präsentiert auf der A-Seite die Erstbegegnung von OBLIQ & CHRISTOF KURZMANN und auf Seite B zwei Vertreter des Pariser Umlauf-Kollektivs – EVE RISSER am präparierten Piano und JORIS RÜHL an der Klarinette. OBLIQ, das sind Pierre Borel am Altosax, Derek Shirley am Kontrabass und Hannes Lingens an Drums & Objects, Kurzmann improvisiert mit Liveelektronik. 
Zu Viert nuancieren sie aufs allerfeinste die hier dröhnminimalistisch ausgeprägte Arte-Povera-Ästhetik und die Klang=Klang-Philosophie der Neuen Bescheidenheit. Lingens lässt Schmetterlinge – oder sind es Motten? – über sein Set flattern, Shirley brummt, die andern  fiepen und knabbern mausig am Hungertuch – Heilige Josefine, bitte für uns. Rühl wechselt von dünnpfiffigen zu spuckig gezogenen Klarinettenfäden, Risse federt drahtig und dongend im Innenklavier, plinkt spärliche Einzeltöne. Dann krabbelt und trampolint sie eifriger, die Klarinette reagiert ächzend, halb erdrosselt. Der Anfall dünnt wieder aus zu tröpfeligem Klingklang und gefiepten Kürzeln. Ich werde den Verdacht nicht los, dass ich mich komplett irre, wenn ich in solcher ‚Schwachheit‘ Bescheidenheit zu erkennen meine. Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark (Paulus 2 Kor 12:10) – Formel für Weltrevolutionen.

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