freiStil – KLEINE LABELKUNDE (German) 26 Apr 2012

Seit acht Jahren widmen sich die Umlaut Records der „Transformation of Sound“ – und das gleich an den drei Standorten Stockholm, Berlin und Paris. Im freiStil-Gespräch gibt der Musiker und Aktivist der Berliner Filiale, Florian Bergmann, unter anderem Auskunft über die Entstehung und die Perspektiven des Labels und über das Berliner Umlaut-Festival.

freiStil: Umlaut Records ist das einzige mir bekannte trinationale Label. Wann und wie ist es zu dieser unorthodoxen Konstellation zwischen Schweden, Deutschland und Frankreich gekommen?
Florian Bergmann: Umlaut Records wurde 2004 von Joel Grip in Stockholm gegründet. Später ist Joel nach Paris gezogen und hat dort die Zusammenarbeit mit Pierre-Antoine Badaroux, Antonin Gerbal, Eve Risser, Sebastien Beliah und Joris Rühl begonnen. Diese Gruppe von Leuten ist heute Umlaut Paris. In ihrem Kreis bestand bereits das Label Lunar Caustic, welches als Unterlabel ein Teil von Umlaut wurde. Der Kontakt nach Berlin kam über Pierre Borel zustande, welcher bis 2006 in Paris gelebt hat und dann nach Berlin gezogen ist. 2009 kam es dann über die Vermittlung von Joel und Pierre dazu, dass wir in Berlin eine Dependance von Umlaut Records gegründet haben und auch sofort begonnen haben, einen künstlerischen Austausch zwischen den drei Ländern herzustellen.
Wird der Labelname den Landessprachen angepasst, oder heißt ihr in allen drei Ländern „Umlaut“? Und auf welche Umformung zielt der Untertitel „transformation
of sound“ ab?
Umlaut heißt immer Umlaut. Der Name ist auch für Franzosen und Schweden relativ leicht auszusprechen. Ich persönlich verstehe
den Untertitel „transformation of sound“ als den Ausdruck einer prinzipiell offenen und prozessorientierten Geisteshaltung, die unsere künstlerische Arbeit und Zusammenarbeit prägt. Es gibt ja innerhalb des Umlaut-Netzwerkes keine ausgesprochenen ästhetischen Richtlinien oder hierarchischen Strukturen.
Gemeinsam ist uns das Interesse am musikalischen Experiment, an der Improvisation und daran, ganz verschiedenartige künstlerische Konzepte und die Menschen, die dahinterstehen, zusammen zu bringen und somit kreative Prozesse – auch beim Publikum – anzuregen.
Darf man sich Stockholm, Paris und Berlin als europäische Zentren improvisierter Musik vorstellen?
Berlin ist derzeit sicherlich eines der wichtigsten Zentren improvisierter Musik auf der Welt und vielleicht die lebendigste Stadt in Europa, was diese Musik angeht. Ich bin selbst gebürtiger Berliner und kenne daher sehr viele verschiedene Facetten der Stadt.
Aber es ist für mich immer noch absolut erstaunlich mitanzusehen, was für ein riesiger Pool an kreativer Energie hier in den letzten Jahren entstanden ist und was für eine Faszination die Stadt auf viele Musiker und Künstler der ganzen Welt ausübt. Natürlich gibt es auch in Paris sehr viele interessante Musiker und Projekte, allerdings glaube ich, dass es
im Moment auch ganz banale wirtschaftliche Erwägungen sind, die Berlin im Moment für viele attraktiver machen. Die Lebenserhaltungskosten sind im internationalen Vergleich in Berlin einfach unschlagbar. Und das ist für freischaffende Musiker, die sich mit ihrer Arbeit in einem sehr speziellen Bereich bewegen, ein wichtiger Faktor. In Schweden ist meiner Einschätzung nach die Szene improvisierter Musik nicht so stark ausgeprägt.
Allerdings gibt es einige sehr gute Musiker und zum Beispiel das Hagenfesten, ein Festival für überwiegend improvisierte Musik,
das Joel Grip jährlich in Dala-Floda veranstaltet,ist ein absolutes Highlight.

Umlaut_Interview-FreiStil

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